Kirchen und Kapellen im Obergoms

Die Kirchen und Kapellen des Obergoms laden Sie ein, innezuhalten, Kraft zu schöpfen, ein Gebet zu sprechen oder auch nur deren Schönheit zu geniessen. Sie sind Zeugen jahrhundertealter lokaler Kunstgeschichte und tiefer Frömmigkeit.

Online Kirchen- und Kapellenführer

Unser Online Kirchen- und Kapellenführer gewährt Ihnen einen Einblick in die Kunsthandfertigkeit und Vormachtsstellung der katholischen Kirche in der barocken Blütezeit des Goms.

Broschüre Kirchen- und Kapellenführer

Der Kirchen- und Kapellenführer ist kostenlos als Broschüre in den Tourist Info's des Obergoms oder als Download-Dokument erhältlich. 

 

Das Goms und seine Sakral-Künstler

Im Goms entstanden im 11./12. Jahrhundert die zwei Grosspfarreien Münster und Ernen. Der Hilpersbach zwischen Selkingen und Blitzingen bildete die Grenze. Jahrhundertelang stritten sich die beiden Pfarreien um die Vormachtstellung. Zur «Kilchrie» Münster gehörten alle Dörfer zwischen Selkingen und Oberwald. Die Dörfer Blitzingen, Niederwald und des unteren Goms bis Lax gehörten zur Pfarrei Ernen.

Das Goms wird oft als das Barocktal bezeichnet. Die vielen barocken Altäre in den Kirchen und Kapellen rechtfertigen diese Bezeichnung. Voraussetzungen der Barockwelle, die wir mit den Jahrzahlen 1630–1798 eingrenzen, waren der wirtschaftliche Aufschwung im Tal, der Wohlstand, aber auch die religiöse Erneuerung im Sog der Gegenreformation. Dazu kamen der rege Passhandel und die aus den fremden Kriegsdiensten geflossenen Solde und Pensionen. Es ging eine politische Macht vom Goms aus, die bis nach Sitten und das Unterwallis reichte. Innerhalb von 50 Jahren entstanden im Tal in einer Welle religiöser und künstlerischer Begeisterung 70 Kirchen und Kapellen. Ihre Innenausstattung lag zum grossen Teil in den Händen einheimischer Künstler. Allen voran stellte die Familie Ritz aus Selkingen über Jahrzehnte Bildhauer und Altarbauer von Format. Herausragende und bestimmende Persönlichkeit war Johann Ritz (1666–1729). Er ist der eigentliche Repräsentant der barocken Schnitzkunst im Alpenraum und prägte die Bezeichnung «Ritz-Altar» massgebend. Ritz verhalf der Barockwelle zur Hochblüte. Sein Ruf ging über die Berge hinaus und so finden sich seine Werke auch im nahen Urnerland, in Graubünden, Stans etc. Johann Ritz liebte das Dekorative und konnte in seinen Werken eine wahre Sinnesfreude entfalten. Sein Sohn Jodok Ritz (1697–1747) und dessen Sohn Johann Franz Anton Ritz (1722–1768) führten sein Werk weiter, ohne jedoch dessen Bedeutung zu erreichen.

Obwohl das Oberwallis gute Beziehungen zu Oberitalien pflegte, entstammt der barocke Einfluss vermutlich eher aus Süddeutschland. Erster prägnanter Künstler der Barockzeit war im Oberwallis Johann Sigristen (1635–1710) aus Glis. Neben dem Bildhauer und Maler Johann Carlen aus Reckingen arbeiteten in Reckingen im 18. Jahrhundert die Bildhauer Peter Lagger (1714–1788) und seine Söhne Johann Baptist Lagger (1748–1791) und Josef Anton Lagger (1759–1833). Sie schufen vor allem Werke in der Pfarrkirche von Reckingen.

Die Bildhauerei war eine florierende Branche, die zahlreiche Maler, Vergolder, Schreiner und Tischler sowie weitere Handwerker und Hilfskräfte beschäftigte.

Maler besonderer Prägung besass das Goms in Johann Georg Pfefferle (1719–1796) und seinem Sohn Johann Joseph Pfefferle (1756–1838), die Decken und Gewölbe zahlreicher Kirchen und Kapellen mit Scharen bewegter Gestalten ausschmückten. Johann Georg Pfefferle stammte aus Imst im Tirol. 1755 heiratete er Maria Katharina Werlen aus Geschinen und liess sich im Heimatort seiner Gattin nieder. Es gibt noch weitere Maler aus dem Goms, die aber mehrheitlich ausserhalb ihrer Heimat ihre künstlerische Begabung durchsetzten: Lorenz Justin Ritz (1796–1870) von Niederwald, bekannter Porträtist und sein Sohn Raphael Ritz (1829–1894) und Ludwig Werlen (1884–1928) aus Geschinen.

Matthäus Carlen (1691–1749) war der Begründer einer ganzen Orgelbauerfamilie, die während sieben Generationen selbst in den USA und in Frankreich zahlreiche bekannte Orgeln schuf. Ebenso aus Reckingen stammt die Orgelbauer- und Glockengiesserfamilie Walpen, deren Glocken in vielen Kirchtürmen der Kantone Wallis, Uri, Graubünden und Luzern erklingen.

Quellen und Textquellen zum Kirchen- und Kapellenführer

- Die Kunstdenkmäler der Schweiz – Kanton Wallis, Band I und II, Walter Ruppen, 1976 und 1979 
- Die St. Katharina-Kapelle im Wiler bei Geschinen, Pfarrer Josef Lambrigger
- Der Hochaltar in der Pfarrkirche von Münster im Goms, Benno Mutter
- Webseite der Gemeinde Münster-Geschinen
- Die Gotteshäuser von Reckingen, Pfarrer Josef Lambrigger
- Webseite der Gemeinde Reckingen-Gluringen
- Pfarrkirche und Kapellen der Grafschaft im Goms, Pfarrer Josef Lambrigger
- Die Siedlungen des Mittelgoms, Niederwald und Blitzingen, Walter Ruppen

Wir bitten Sie um Verständnis, wenn dieser Kirchen- und Kapellenführer zum Teil lückenhaft ist, da wir uns mehrheitlich auf bestehende und teilweise ältere Quellen stützen mussten. Er ersetzt nicht die im Handel verfügbaren ausführlichen Kunstführer.